Die Anfänge (1892 – 1914)
Die historischen Wurzeln der Arbeitersportbewegung liegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die mit der Dezemberverfassung von 1867 eingeräumten Grundrechte nutzten die Angehörigen des „vierten Standes“, die Arbeiter, zur Gründung von „Arbeiterbildungsvereinen“, um ihre Interessen besser vertreten zu können. Neben dem Zugang zur Bildung kam alsbald auch das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung und Gestaltung der kargen Freizeit, zumal die bereits bestehenden Turnvereine die Aufnahme von Arbeitern verweigerten. Sport in seiner heutigen Bedeutung war damals noch kein Begriff, aber „Turnen“ als Sammelbezeichnung verschiedenster Leibesübungen umfasste über das heute bekannte Boden- und Geräteturnen hinaus auch Laufen, Werfen, Springen und einige Ballsportarten (z.B. Faustball) sowie den Wintersport und Schwimmen.
In den Arbeiterbildungsvereinen entstanden verschiedentlich „Turngruppen“, die sich im Laufe der Zeit verselbständigten. Als Geburtsstunde der Arbeitersportbewegung in Österreich ist das Jahr 1892 anzusehen, aus dem ein Jahresbericht der Turnsektion des Arbeiterbildungsvereines Wien VI bekannt ist.
Der Einladung des Bezirksverbands der Arbeitervereinigungen in der Zeitung „Die Wahrheit“ vom 28. Mai 1903 zur ersten „Turnübungsstunde“ am Montag, dem 8. Juni 1903 im Gasthaus „Zum goldenen Elefanten“ in der Bethlehemstraße folgten bereits sehr viele Interessenten. Das rege Interesse führte sodann zur Konstituierung des „Arbeiter-Turnvereins Linz„, die am 24. September 1903 im Gasthaus „Zum goldenen Elefanten“ erfolgte.

Zu den Gründungsmitgliedern zählten die späteren Bürgermeister Josef Dametz und Josef Gruber sowie Franz Imperial, der noch eine große Rolle in der Geschichte des „Stamm“ spielen sollte.
Der Saal des Gasthauses „Zum goldenen Elefanten“ wurde bald zu klein und der Turnbetrieb in die städtische Volksfesthalle auf dem Gelände des Südbahnhofes verlegt. Ab1907 stand auch der neue Turnsaal der Raimundschule zur Verfügung.

Erster Arbeiter-Turnverein Linz (im Hof der Raimundschule)
Links oben: der erste Obmann Johann Marianka
Rechts oben: Turnlehrer Wilhelm Sperr
Die sportliche Betätigung war vorerst nur auf Männer beschränkt. Erst 1913 kam es zur Bildung einer Damenturnriege.
Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit (1914 – 1938)
Der Erste Weltkrieg brachte die Vereinsaktivitäten fast vollständig zum Erliegen. Nach 1918 erlebte der Verein jedoch einen starken Aufschwung. Aufgrund ideologischer Differenzen zu deutschnationalen Turnvereinen gingen die Arbeitersportler ihren eigenen Weg.
Der Arbeiter-Turnverein Linz wurde 1921 in Abteilungen gegliedert, dem ursprünglich neben den Abteilungen Waldegg und Stamm, deren Wurzeln jeweils in das Jahr 1903 reichen, noch die Abteilungen Römerberg-Margarethen und Urfahr sowie der Arbeiter-Schwimmverein (ASV) angehörten. Die Abteilungen wurden zumeist nach geographischen Bezeichnungen benannt (z.B. Waldegg, Urfahr, Kleinmünchen, Ebelsberg, Steg), als Abteilung „Stamm“ wurde jene Gruppe bezeichnet, die keiner anderen Abteilung zugeordnet wurde.

Die bedeutendste Gruppierung innerhalb der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung in Oberösterreich war die Abteilung Stamm. Sie konstituierte sich am 29. September 1921 im Extrazimmer der „Kanone“. Die Abteilung besaß nicht nur die besten Turner, sie leistete vor allem Pionierarbeit auf dem Gebiet des Hallensports und in anderen Sportarten.
100 Jahre ASKÖ OÖ 1903 – 2003 via Arbeitersport
Der spätere Obmann und Ehrenobmann unseres Vereines, Franz Imperial, zählte schon zu den Gründungsmitgliedern des Arbeiter-Turnvereines im Jahre 1903 und wurde 1918 zum Obmann des Arbeiter-Turnvereins Linz gewählt.
Diese Grundstruktur mit einem Verein (dem so genannten „Großverein“) und mehreren Abteilungen und Sparten hielt bis 1975. Die Abteilungen und Sparten entwickelten zwar eine immer größere Selbständigkeit mit eigenen Vorständen, Mitgliederversammlungen und eigener Vermögensverwaltung, waren aber vereinsrechtlich keine eigenständigen Vereine.
Die Abteilung Stamm hatte schon in den Jahren bis 1934 einen regen Sportbetrieb, der neben dem Turnen im heutigen Sinn auch Handball, Faustball, Leichtathletik und Schifahren umfasste. Turner des Stamm waren in all diesen Sportarten sehr erfolgreich.
Ein Meilenstein war die Errichtung des „Arbeiterstadions“, das 1925 durch den unermüdlichen Einsatz der Mitglieder eröffnet wurde. Bis 1930 wuchs die Mitgliederzahl auf über 1.200 an. Die positive Entwicklung endete abrupt mit den politischen Ereignissen des Jahres 1934, als alle sozialdemokratischen Organisationen, einschließlich der Arbeiterturnvereine, behördlich aufgelöst wurden.
NS-Zeit und Wiederaufbau (1938 – 1975)
Während des NS-Regimes (ab 1938) wurden die bestehenden Turnvereine in den „Reichsbund für Leibesübungen“ eingegliedert, was die eigenständige Vereinskultur beendete.
Unmittelbar nach Kriegsende 1945 wurde der Arbeitersport in Linz von ehemaligen Mitgliedern wiederbelebt und der ATSV Linz (Großverein) neu gegründet.
Ein zentrales Projekt war die Errichtung eines neuen Sportplatzes und Vereinsgebäudes, welches durch über 10.000 freiwillige Arbeitsstunden der Mitglieder des ATSV Linz-Stamm, auf dem Gelände eines ehemaligen Obstgartens, des „Darrgutes“, eines Bauernhofes, der auf dem Gelände der heutigen FH Gesundheitsberufe OÖ, MED Campus VI. lag, errichtet wurde und am 6. Mai 1956 mit einem großen Sportfest eröffnet und gebührend gefeiert wurde.
In den 1950er- und 60er-Jahren war der Verein besonders im Turnen und später im Faustball erfolgreich.
1975 wurde der Großverein aufgelöst. Die bisherigen Abteilungen wurden in eigenständige Vereine umgewandelt.
Eigenständigkeit und große Erfolge (1975 – 2010)
Mit der Umstrukturierung des ATSV Linz wurde am 14. November 1975 die bisherige Abteilung in den eigenständigen Verein „ASKÖ Linz-Stamm“ umgewandelt. Gleichzeitig schloss sich die Sparte Tischtennis dem neuen Verein als Sektion an.
Die 1980er-Jahre entwickelten sich zur goldenen Ära des Vereins, die maßgeblich von der Damen-Faustballmannschaft geprägt wurde. Das Team dominierte den österreichischen Faustballsport in beeindruckender Weise: Von 1982 bis 1990 wurde es mit nur einer einzigen Ausnahme jedes Jahr österreichischer Staatsmeister auf dem Feld und ab 1986 ununterbrochen auch Hallenmeister. Neben diesen sportlichen Triumphen trat die Sektion auch als Organisator von hochrangigen Turnieren wie dem „Großen Preis der Stadt Linz“ in Erscheinung. Der Höhepunkt dieser organisatorischen Tätigkeit war die Mitausrichtung der Faustball-Weltmeisterschaft 1990, bei der die Eröffnungsfeier und einige Spiele auf dem Vereinsgelände stattfanden.

In dieser Zeit erweiterte der Verein sein sportliches Angebot erheblich und gründete neue Sektionen wie Jazzdance (1983), American Football (1982), Baseball (1984) und Volleyball (1988). Einige dieser Sektionen entwickelten eine so starke Eigendynamik, dass sie sich zu eigenständigen Vereinen formierten (bspw. Sektion American Football (Linzer Rhinos) wurde „ASKÖ Steelers“), wohingegen andere Sektionen wie Jazzdance und Reiten wieder eingestellt werden mussten.
Aktuelle Entwicklung (ab 2010)
Abgesehen von den Sektionen Baseball/Softball und Volleyball, die nach wie vor ihren Sport leistungsmäßig auch in den verschiedenen Meisterschaften ausüben, hat sich das Sportangebot des Vereins eindeutig in Richtung Freizeit- und Gesundheitssport entwickelt, ein Bereich, der gesellschaftlich eine immer größer werdende Rolle spielt. So wird heute beispielsweise Gymnastik und Stockschießen sehr von den Mitgliedern geschätzt.

Obmänner
1903-1907: Johann Marianka
1907-1911: Ludwig Walter
1911-1914: Wilhelm Sperr
1914-1918: Max Nürnberger
1918-1921: Franz Imperial
1921-1934: Hans Kreuzinger
1946-1948: Hans Kreuzinger
1948-1952: Karl Haase
1952-1955: Franz Imperial
1955-1967: Karl Haase
1957-1965: Franz Hillinger
1965: Rudolf Fröschl
1965-1966: Franz Streitner
1966-1977: Leopold Mühlbacher
1977-2015: Dr. Rudolf Grasl
2015-2025: Gerhard Lay
seit 2025: Florian Gratzl